Aktuelles Pastoralen Raum Anröchte-Rüthen

Eine Schriftbetrachtung über die Blinden und die Blinden

Eine Schriftbetrachtung über die Blinden und die Blinden

Im Zentrum des heutigen Evangeliums steht die Heilung eines Blinden. Zwei Beobachtungen können beim Lesen ins Auge fallen: Die Grundsatzfrage des Leids (dieses Menschen) und die Verbohrtheit der Pharisäer. Die Frage, warum der Mann blind ist, bleibt eigentlich unbeantwortet. Es scheint so, dass Jesus ausweicht. Dieser Mann, so Jesus, ist blind, um die Macht Gottes und dessen Wirken in der Welt zu beweisen. Doch was ist mit den vielen anderen, die blind sind? An dieser Stelle geht Jesus nicht darauf ein. Es scheint so, als wäre die Frage irgendwie müßig; würde doch eine Antwort darauf, weder dem Fragenden Frieden geben, noch dem Leidenden helfen. Dieser wäre – trotz einer Antwort – immer noch blind. Jesus wendet sich stattdessen dem Leid zu. Er wendet sich den Menschen mit ihren inneren und äußeren Nöten zu. Jesus fordert auch seine Jünger und damit auch uns auf nicht bei der Frage des Leids stehen zu bleiben.

Die Pharisäer dagegen zeigen wieder einmal ihre Fokussierung auf sich. Ihnen geht es um sich, wie sie sich und ihre „Treue“ zum Gesetz selbstgerecht darstellen können. Ginge es ihnen um das Gesetz, wären sie am Glück des Menschen, an jedem Menschen interessiert.  Sie würden nicht fragen, warum Jesus am Sabbat heilt, sondern die gleiche Frage stellen wie der Jüngling: „Herr, was muss ich tun, um das Leben zu erlangen?“

Das Gesetz soll Menschen zu sich selber, zu einander und zur Gemeinschaft mit dem Herrn führen. Sie stehen zum Gesetz und halten es dennoch nicht. Warum nicht? Sie halten Regeln, nur um der Regeln Willen. Damit beweisen sie, dass es ihnen nicht um Gott, oder die Menschen geht, sondern nur um sich selbst.

Aber Gott will das Leben und keine regelbefolgenden Maschinen. Jesus weiß das; ist Er doch Ziel des Gesetzes. Weil die Gelehrten aber weder Gott, noch seinen Bund/Gesetz, noch den Menschen, im Blick haben, sondern nur sich selbst, sind sie blind für Gottes Heilswirken. Sie erkennen die Macht Gottes weder am Blinden, noch können sie Jesus als den erkennen, der Er ist. Sie schauen nur auf sich, auf ihre Gerechtigkeit und verpassen somit die großen Taten Gottes, die sie so oft in den Psalmen besingen.

Folgende Fragen könnten uns in der nächsten Woche begleiten:

1.     Was steht im Zentrum meiner Frömmigkeit?

2.     Sind meine Augen offen für Gottes Wirken in mir und um mich herum?

3.     In welchen Situationen schaue ich eher auf mich und verliere dabei Gott und den Nächsten aus dem Blick?